Aux Champs Élysées
Offensichtlich sind wir Urlaubsfranzosen. Die diesjährige Flucht vor dem harschen Winter führte uns wieder einmal in ein DOM-TOM unserer westlichen Nachbarn. Was will man auch machen? Der Franzose hat sich anscheinend die Sahnestücke seines Kolonialreichs behalten, und dank der EU profitieren wir jetzt alle davon. Alors, ab nach Réunion dachten wir uns.
Niederlande oder Frankreich, Hauptsache Käse
Nun muss ganz weit ausgeholt werden: wir waren sehr “früh” dran mit unserem Urlaub. Ende September entschieden wir uns für unser Ziel. Zunächst hatten wir wieder die Karibik im Auge, war doch Martinique in etwa das, was wir uns von unserer Winterflucht erhofften. Da wir mit dem Verkehr auf der Insel aber unsere Probleme hatten, schielte ich auf das niederländische Kolonialreich. Wenn die Kasköppe irgendwas können, dann fußgängerfreundlichen und autofeindlichen Verkehr, genau nach meinem Geschmack. In der Karibik (im weitesten Sinne) wären das hauptsächlich die ABC-Inseln kurz vor der südamerikanischen Küste. Allerdings hatte eine oberflächliche Recherche ergeben, dass diese Inseln zwar von der Unterwasserwelt einiges zu bieten haben, aber an Land eher dürftig sind. Sprich: keine aufregenden Berge mit Wasserfällen und damit keine spektakulären Wanderungen. Da ausgiebiges Schnorcheln für Nimue und Nael noch etwas sehr advanced schien, war ich also mit dem potentiellen Ziel nicht so richtig warm geworden. Wir klagten unser Leid eines Abends durchreisenden Freunden, die zu Besuch waren, und die sagten nur: “Wir wäre es mit Réunion?”
“Keine Ahnung, wie wäre es denn?” dachte ich mir. Ich wusste, wo das liegt, dass es zu Frankreich gehört und mehr auch nicht. 4 Sekunden später stand das Ziel fest. Warum? Gebt einfach mal Réunion in die Bildersuche eures Vertrauens ein, ihr werdet es herausfinden.
Erstes Hindernis: Deutsche Bahn
Gut, wir kennen das schon: der Flug von Paris ist verhältnismäßig günstig, also ab dafür. Der komplexere Teil der Reise war dann, wie man nach Paris gelangt. Im Oktober teilte man uns mit, wir seien deutlich zu früh dran. Fahrplanwechsel, diesdas, niemand weiß, ob und wann im Januar noch Züge nach Frankreich fahren werden. Na gut, also wartete ich geduldig bis ca. Mitte November. Dieses Mal wollten wir uns das mühselige Umsteigen und die Metro in Paris sparen, das ist mit Gepäck und Kindern kein Zuckerschlecken gewesen. Der Pariser Flughafen hat allerdings, ganz modern, einen direkten TGV Halt, das sollte also unser Zielbahnhof werden. Die sinnvollste Verbindung dorthin ging allerdings laut Fahrplanauskunft über Brüssel. Oje, ich ahnte, was auf uns Zukommen würde: als ich in Holland gewohnt habe, gingen manche guten Verbindungen nach Duitsland auch über Brüssel. Die konnte man allerdings nie so richtig buchen, weil es offensichtlich unmöglich ist, Preise für das Durchqueren von drei Ländern auszurechnen. Na ja, dachte ich weiter, es sind ja seitdem 10 Jahre ins Land gezogen, ganz vielleicht hat sich was getan.
Ernüchternd starrte ich auf den Bildschirm, als die Bahn mir mitteilte “Keine Preisauskunft möglich”. Ah ja, hat sich nicht so viel getan in besagten 10 Jahren. Ab ins Reisezentrum, magischerweise können die das da nämlich ausrechnen, auch wenn sie manchmal weitere Kollegen heranziehen müssen, und man mit seinem Wunsch Frankfurt-Brüssel-Paris erstmal das Reisezentrum für Stunden außer Gefecht setzt. Etwas stutzig wurde ich allerdings, dass auch eine Verbindung nur über Straßburg nicht gebucht werden konnte.
Wart ihr jüngst schon mal in einem DB Reisezentrum? Da wiederum hat sich einiges getan. Normalerweise wartete man ja Stunden zwischen verzweifelten Reisenden mit lebenden Hühnern im Gepäck darauf, dass sich irgendjemand erbarmt. Aber wow, es war leer, ich war sofort dran! Ich äußerte meinen Wunsch. Die Dame schaute auf meine ausgedruckte Verbindung und sagte auf mein “Ich kann die Verbindung nicht buchen” nur: “Ich kann die auch nicht buchen”. Auf mein “… - wer kann sie denn buchen?” kam “Vielleicht (sic!) die SNCF”. Es stellte sich heraus, dass mit dem Fahrplanwechsel auch ein Systemwechsel bei der Bahn anstand. Alle Reisen nach Frankreich, die komplizierter waren als “eine Person fährt nach Frankreich” konnten bis zum 14.12. nicht gebucht werden. Dann sollte das neue System kommen. Aber die, offensichtlich erfahrene, Schalterdame gab mir noch den Tipp: “Aber versuchen Sie es nicht direkt am 14.12., das wird ein paar Tage brauchen, bis es wirklich funktioniert.”
Den dritten Versuch (eigentlich den vierten, bei der SNCF konnte man auch nicht buchen, aber man hätte vor allem keine Bahncard einsetzen können) ein Zugticket zu erhalten startete ich also am 17.12. Mir wurden Preise angezeigt. Natürlich gab es für die Hinfahrt Anfang Januar nun natürlich keine Sparpreise mehr, insgesamt 650 Euro wollte die Bahn für die Verbindung. Na ja, was will man machen? Augen zu und durch! Am Ende des Buchungsvorgangs stand auf dem Bildschirm “Die Buchung konnte nicht durchgeführt werden, versuchen Sie es noch einmal”. Gut, versuche ich es noch einmal. Gleiches Ergebnis. Die Bahn WOLLTE uns einfach nicht zum Flughafen in Paris bringen.
Alternativen mussten her. Auto und Langzeitparken wären preislich im Rahmen gewesen, aber ich wollte ungern die Kinder vor einem 11 Stunden Nachtflug auch noch 9-10 Stunden ins Auto sperren. Am Ende regelte die Lufthansa für uns. Mit nun deutlich entspannteren Reisezeiten, weniger Umstiegsangst und der Möglichkeit, unser Gepäck schon einen Abend vorher entspannt aufzugeben wurde also unsere Bahnreise begraben. In Hindsight wäre es vielleicht noch schlauer gewesen, unseren Flug mit Air France einfach auf Frankfurt umzubuchen. Vielleicht wäre es günstiger gewesen, aber zumindest unser Gepäck hätten wir nicht in Paris selbst handlen müssen. Na ja, hinterher ist man natürlich wieder schlauer.
Es ist Urlaub!
So viel also zur Vorgeschichte. Es gab noch ein paar andere Anekdoten: so wurde das Haus mit unserer Unterkunft irgendwann verkauft, und wir mussten mit den neuen Besitzern neu buchen. Mein TAN Gerät wurde durch den Versuch einen Mietwagen zu buchen irgendwie deaktiviert, und ich musste auf einen Brief von der Bank warten um wieder unser Konto benutzen zu können, außerdem wollte Weihnachten vorbereitet und gefeiert werden. Aber die Geschichte mit der Bahn war schon der größte Klopper.
Anyway. Am Abend vor der Abreise hatte ich noch die fixe Idee, dass wir unser Auto ja in ein Langzeit Parkhaus in Frankfurt stellen könnten, und dadurch entdeckte ich die vielfältigen Valet Parkservices rund um den Flughafen: ein Fahrer übernimmt die Karre an der Abflughalle und dann steht das Auto halt drei Wochen in Raunheim rum. Ist preislich fair, wir hatten dadurch eine wahnsinnig entspannte Anreise zum Flughafen und wir müssen uns nicht sorgen, dass das Auto abgeschleppt wird, weil irgendwer in den drei Wochen umzieht und ein Parkverbot aufstellen lässt. Was es nicht alles gibt.
Die Reise verlief dann ohne großen Aufreger, sogar die Security am Flughafen, der große Nemesis meiner Nerven, war ziemlich stressfrei. Man darf jetzt sogar ohne großes Bohai Getränke mitnehmen, man höre und staune. Der Nachtflug war ziemlich unbequem und das Bordpersonal irgendwie geringfügig unfähig, die Leute hinter uns unfreundlich, aber immerhin die Kinder hatten eine Mütze Schlaf. Täschi und ich waren halt völlig im Arsch. Mietwagen am Flughafen reibungslos übernommen und zur Ferienwohnung gecruist: am 2. Januar gegen Mittag begann der Urlaub mit entspannten 28 Grad, einer leichten Brise und dem Blick von unserer Terrasse auf den Indischen Ozean. Und einem Mittagsschlaf (für die Großen) und Sendung mit der Maus (für die Kleinen, die waren ja nun wach und hyped).
