Die letzten Tage von Saint-Pierre
Tja, was soll man hier groß teasern? Auch dieser Urlaub fand sein Ende. Es tränten die Augen, es sanken die Mundwinkel, wir ließen alle Hoffnung fahren. Nach einigen letzten warmen, sonnigen Tagen, mussten wir also wieder ins traurige Deutschland zurück 😢.
Ein Brautschleier
Täschi und ich waren ja nun verlobt. Was gäbe es da besseres, als sich tragische Geschichten über misslungene Hochzeiten reinzufahren? Das Tagesziel war der Voile de la Mariée. Zunächst einmal aber, weil der Urlaub ja fast zu Ende war, noch einmal Decathlon. Wasserfall und Saint-Suzanne liegen ja praktischerweise beide auf der Nordseite der Insel. Wir hatten Nimue nämlich noch nicht gestanden, dass einer ihrer Wasserschuhe verloren war. Wir trauten uns nicht, weil wir Angst vor dem Fallout hatten. Sogar den Ausflug des Vortages auf den Berg, hatte ich deshalb eingeschoben: auf Bergen konnte man nämlich der kritischen Nachfrage entgehen, warum sie keine Wasserschuhe mehr hatte. An jenem Sonntag hätten wir sie ja nicht mehr ersetzen können und es galt, die fragile gute Laune nicht zu gefährden. Wie wir also so auf den Decathlon Parkplatz einbogen kam also doch noch die kritische Nachfrage von der Rückbank, was wir hier nun wieder treiben würden. Wir gestanden. Nimue trug es mit Fassung, eigentlich reagierte sie gar nicht. Ich bin mir nicht schlüssig, ob wir ihre Reaktion einfach so falsch antizipierten oder ob sie direkt verstanden hatte, dass sie unmittelbar Ersatz erhalten würde…aber ein bisschen genatzt fühlten wir uns dann doch, hatten wir doch einen solchen Eierschalentanz aufgeführt.
Wir shoppten also neue Wasserschuhe und weiter ging die Fahrt zum Brautschleier. In dieser Ecke der Insel waren wir auch noch nicht gewesen, und was tat sich hier wieder eine Landschaft vor uns auf - Wahnsinn! Richtig hohe Schluchten, garniert mit richtig hohen Wasserfällen. Und viele davon. Man kam aus dem Staunen und gucken gar nicht raus. Teilweise führte die Straße entlang der Felsklippen sogar unter den Wasserfällen durch, das Auto (und Insassen, wegen offener Fenster) wurden erfrischt. Kaum hatte man eine Kurve gemacht, schon war der nächste atemberaubende Wasserfall im Sichtfeld. Ich kann die Szenerie gar nicht richtig in Worte fassen. Der Wanderführer führte uns zum Aussichtspunkt der sieben Wasserfälle. Aber das war eine Untertreibung, gefühlt schaute man auf eine Wand mit zwanzig Wasserfällen. Irgendwie zählten die Einheimischen wohl mehrere Wasserfälle als einen zusammen, die für uns Laien aber einfach mehrere Wasserfälle waren.
Die Wanderung begann mit einem kurzen Abstieg, einer Hängebrücke über einen reißenden Fluss (irgendwo müssen die ganzen Wasserfälle ja hinfallen) und mündete dann wieder in einen kräftezehrenden Aufstieg. Schattige Plätze waren rar gesäht, es war wieder einmal sehr heiß. Mit Nael und unserem üblichen Badegepäck auf dem Rücken kam ich wieder gar nicht klar. Schritt für Schritt trotzte ich meinem Körper aber die Belohnung ab: besagten Brautschleier Wasserfall. Und, hui Bub’, hatte sich das wieder gelohnt. Von dort oben hatte man eine sagenhafte Aussicht auf die Berge, zwischen denen Wolken hingen und man hatte einen Wasserfall, dessen Abkühlung nach dem Anstieg so segensreich war - krass! Auch hier versagen mir mal wieder die Worte. Nachdem ich zwei Liter Wasser abgepumpt hatte stellte ich mich unter den Wasserfall, schaute auf die Berge und wollte diesen Ort nie wieder verlassen. Ich neige ja selten zu lautstarken Gefühlsausbrüchen, doch hier überkamen mich meine bayerischen Gene und ich musste meine Freude einfach ins Tal jodeln.
Nun aber auch die traurige Hochzeitslegende, die dem Wasserfall seinen Namen gab (gut, abgsehen vom Offensichtlichen: der breite Wasserfall sieht einfach aus wie ein Brautschleier): in diesem Tal Salazie lebte einst ein wilder Räubersmann ein (merkwürdiger) Mann mit seiner Tochter. Seine Frau war gestorben, aber seine Tochter sah ihr so ähnlich, dass er sie nicht verheiraten wollte, um sie nicht zu verlieren (weird, I know). Eines Tages aber verliebte sie sich (reziprok) in einen reichen Jüngling. Aber auch das verbat Inzestdad. Das junge Paar kannte aber kein Pardon und flüchtete in die Kirche, um sich direkt zu vermählen. Take that, weirdo Vadder! Ebenjener aber zückte seinen Säbel und stürmte wutentbrannt die Kirche, um den Königssohn niederzustrecken. Also flüchteten die Frischvermählten den Berg hinauf. Die Braut trug aber dummerweise noch ihren Brautschleier. Bisschen inkonsistent, ich meine, woher hatte sie einen Brautschleier, wenn es eine spontane Ad-Hoc Hochzeit war? Hatten die die Dinger damals einfach in der Kirche auf Vorrat rumliegen, oder was? Naja, wie sie da so auf den engen Gamspfaden vor ihrem Vater herumflüchtete sah sie wegen des Schleiers nicht richtig (nicht, dass man ihn auch vielleicht hätte ausziehen können, wenn man da so free solo im Berg herumsteigt, aber wer bin ich darüber zu urteilen?) und es kam wie es kommen musste: ein fehlplatzierter Tritt im Stiletto und sie stürzte an ebenjenem Wasserfall in ihren Tod. Was aus dem reichen Ehemann wurde, erfahren wir nicht. Ihr Vater war nun natürlich traurig wie kein Zweiter, der Weirdo. Er saß also Tag und Nacht oben am Wasserfall und weinte seine Tränen bis zu seinem Tod in den Wasserfall hinein. So viel also zum Brautschleier.
Täschi überzeugte mich doch schließlich davon, mich nicht länger in den Tränen vom strangen Vater abzukühlen und wir traten die Heimreise an. Schön war’s
Sind wir wirklich auf einer Insel?
Diese Frage stellten wir uns an unserem letzten vollwertigen Urlaubstag. Einen (!) Tag hatten wir nur am Meer verbracht. Ein bisschen mager, da wir ja an diesem Tag nur einmal überhaupt im Meerwasser waren. Wo ich das so tippe, fällt mir auf, dass es technically zwei Meerausflüge waren, aber beim Zweiten wurden wir ja von der Polizei aus dem Wasser gezerrt. Der zählt also in meiner Wahrnehmung nicht so richtig. Lange Rede, gar kein Sinn: ein Strandtag sollte noch einmal her. Auf unserer Inselseite war es aber mächtig bewölkt und es sah sogar nach Regen aus, daher mussten wir noch einmal in den Norden, dort war Sonne satt angekündigt. In Sainte-Anne gibt es das vielversprechende Bassin Bleu zum Schwimmen, mit Strand. Wir schrubbten also wieder die Kilometer in unserer Karre und flatschten uns an besagtes Bassin. Man sei allerdings gewarnt: der eingezeichnete Strand ist kein Strand, sondern Felsengeröll. Das Meer an dieser Stelle zu rau um darin zu baden. Der Strandtag war also technically kein Strandtag.
So lagen wir also auf der Picknickwieder und badeten zur Abkühlung lediglich im Bassin. Das war allerdings äußerst kalt, so dass wir uns nicht so lange darin aufhalten konnten. Es war dennoch sehr schön anzusehen, dass Bassin und das Meer. Wir verdamelten dort also unseren Nachmittag und fuhren abends wieder in die Ferienunterkunft. Diesmal führte uns das Navi allerdings über die N3, die Route durch die Berge. Boah, dort hatten wir wieder krasse Ausblicke und vorher noch nicht gesehene Landschaftformen. Also, man muss sagen, diese Insel hat es echt in sich. Wenn man dann noch ernstzunehmende Wanderungen unternehmen könnte, würde man noch mehr Wunder zu Gesicht bekommen. Abgefahren!
Abends gab es dann noch Nudeln mit Tomatensauce und die Vermieterin unserer Unterkunft eröffnete uns, dass der Vulkan ausgebrochen sei. In Deutschland verpassten wir gerade die krassesten Nordlichter seit Menschengedenken und passenderweise verpassten wir hier gerade das Touristenhighlight Vulkanausbruch. Aber als ich ein bisschen Medienberichte zum Spektakel sichtete, wurde mir schnell klar, dass das ohnehin für uns nichts gewesen wäre: Tausende Menschen (und dementsprechend Autos) befuhren die enge Straße zum Vulkan, um einen Blick auf die Lava zu erhaschen. Da hätte ich eh nur wieder Anfälle bekommen. Aber nichtsdestotrotz sind wir Überlebende des großen Vulkanausbruchs von 2026 auf Réunion! Das sollte mal gesagt sein.
Blabla zum Schluss
Am Ende verlässt mich dann immer die Muse. Da unser Flug am Donnerstag äußerst früh gehen sollte, fühlten wir uns am Mittwoch irgendwie gelähmt: wir mussten ja die Wohnung in die Reihe schaffen und noch mal ein Lunchpaket einkaufen, deshalb war uns klar, dass wir keinen größeren Ausflug mehr schaffen würden. Eigentlich hatten wir außerdem noch vor, dass Auto zu reinigen. Vom Urlaubsendblues gepackt, vergammelten wir aber den größten Teil des Tages unmotiviert am Pool und in der Bude. Hätte man genauso gut auch noch ausfliegen können. Wir reinigten das Auto nicht, das Packen war richtig anstrengend, auch das Säubern der Wohnung machte niemandem Spaß. Wir aßen dann notgedrungen bei Burger King, machten lustlos unseren Einkauf für die Reise und fühlten uns eigentlich die ganze Zeit nur Bäh! Wir sind doch Stars, holt uns hier bittebitte nicht raus!
Aber die Zeit kennt keine Gnade: die Uhr schlug Donnerstag und wir mussten zurück. Der nun, nach den Sommerferien, wieder einsetztende Berufsverkehr machte noch einen Krimi aus unserem Abflug: wir standen ziemlich lange im Stau. Als wir bei der Abfahrt dem Vermieter mitteilten, dass unser Flug um 10:30 ging, war er sichtlich verwirrt, dass wir nicht 10:30 abends meinten. Ich glaube, er hielt es für sehr unrealistisch, dass wir das schaffen könnten. Wir schafften es aber doch, sehr zu unserem Leidwesen. Wäre ja nun auch nicht schlimm, notgedrungen im Paradies festzusitzen. Aber auch das Tanken des Mietwagens fiel aus, aber ehrlicherweise kostete sowohl die Reinigung als auch das Tanken nicht so viel, wie wir uns zunächst ausmalten. Kann man sich mal merken!
Über den Flug selbst kann man nun so gar nicht viel sagen. Es war ein Tagflug, dementsprechend haben Nimue und Nael wieder unendlich viel Bildschirmzeit bekommen. Man muss sie aber schon bewundern: sie schmähten die Maus und waren heiß auf Snoopy im Bordentertainment von Air France. Es gab aber nur drei Folgen. Diese drei Folgen wurden aber 10 Stunden in Dauerschleife geguckt, bis beide erschöpft gegen Ende des zwölfstündigten Fluges einschliefen. Wie gehabt war Air France wieder richtig scheiße und entnervt kamen wir gegen 21 Uhr im Flughafenhotel an. Das tolle ibis Styles war auch richtig schäbig. Für 200 Euro hatte ich eigentlich explizit einen Raum mit zwei Doppelbetten gebucht, wir bekamen aber eine Schlafcouch. Na toll, das hätte ich auch günstiger in einem noch schäbigeren Flughafenhotel bekommen. Ich schlief auf einer dieser Gefängnispritschen und wurde mit Rückenschmerzen des Todes belohnt. Das Frühstück war dann auch nicht so geil und ab ging es in den letzten Teilabschnitt der Reise.
Wir landeten pünktlich in Frankfurt und unser brillanter Valet Parkservice lieferte punktgenau unser Auto ab. Das ist echt ein Geheimtipp, schön, dass wir das entdecken durften. So cruisten wir also zurück nach Wiesbaden und froren. Die Wohnung war kalt, der Himmel war grau…genauso stellten wir uns unsere Heimkehr in etwa vor. Schön, das wir hier nicht enttäuscht wurden, hat ja auch was.










