12. Januar 2026

Die Midurlaubs Crisis beginnt

Sie dürfen anscheinend in keinem Urlaub fehlen: die Krisentage in der Mitte. Wenn Sonne, Hitze, wenig Schlaf und ein merkwürdiger Schlafrythmus an den familiären Nerven zehren. Auch diesmal wurden wir nicht verschont und uns waren anstrengende und ereignisarme Tage beschert.

Schakkeline

Unser Gastgeber empfahl uns als kindergeeignete Wanderung einen Ausflug zum Cascade Jacqueline. Er sei schön und badegeeignet, außerdem hält sich die “Wanderung” in Grenzen. Ja, so war es dann auch. Ein kurzer Trip durch den Dschungel mitsamt schönen Ausblicken auf den Fluss Langevin, der direkt dort ins Meer fließt. Einige Kletterpartien, die Nimue souverän und stolz absolvieren konnte und eine Flussquerung als besonderes Abenteuer am Ende. Der Wasserfall ist auch wieder wunderschön und hat tatsächlich auch eine Art “Strand”, also einen brillanten Einstieg in das Becken für Kinder.

Leider sind unsere Kinder immer nicht so begeistert, wie man es sich wünscht, wenn es ums Baden an den Wasserfällen geht. Anscheinend ist das Wasser zu kalt oder so, wir können es uns nicht so richtig erklären. Nur wenn ich reingehe, möchten sie mit, aber dann eigentlich auch nur auf dem Arm und bloß nicht mehr als mit den Füßen ins Wasser. Na ja, das macht man halt mit ca. 30 kg im Arm auch nicht besonders lang. Dann sitzt man eben am Wasserfallstrand, versucht Fotos zu machen, aber währenddessen meint Nael an der Kamera herumdrücken zu müssen. Also auch keine Fotos. Dann sitzt man eben am Wasserfallstrand und sorgt sich, weil es nicht genug Schatten gibt. Dann sitzt man eben nicht mehr am Wasserfallstrand, sondern macht sich auf den Weg zurück. Der wird dann begleitet von “Können wir jetzt ein Eis? Können wir jetzt in den Pool? Können wir jetzt Maus schauen?”.

Wasserfall mit Langzeitbelichtung

Wir waren also früher als gewünscht wieder am Auto. Immerhin gab es am Parkplatz einen Kletterbaum, dessen Erkletterung Nimue gut fand. Nael chillte so lange fertig in der Kraxe herum, während wir uns fragten, was man jetzt mit so einem angebrochenen Tag treiben sollte. Von demselben Parkplatz aus war es noch ein kurzer Spaziergang zum *Pointe de Langevin, seines Zeichens der südlichste Landpunkt, der zur EU gehört. Ja Mensch, da muss man ja wohl gewesen sein. Die Küste ist hier recht wild, schroffe Lavafelsen und hohe Wellen, die daran hochspritzen. Schon schön. Zudem wehte ein kühlender Wind. Am Punkt selbst gab es dann sogar einen Geocache. Es sollte der erste in diesem Urlaub werden. Da man ja aber in Lavagestein umher kraxelte, war die Suche echt richtig schwierig. Jeder Fels hatte natürlich 5 “Höhlen” bei denen man sich dachte “hier ist ein optimales Geocache Versteck. Und es gab viele, viele Felsen. Als wir eigentlich schon aufgegeben hatten, fasste sich Täschi ein Herz aufgrund meines traurigen Gesichts. Schließlich wäre es ja passenderweise der südlichste EU Geocache, den wir gefunden hätten. Und, siehe da, beim dritten Absuchen des Felsens, den wir eigentlich direkt im Verdacht hatten, fand Täschi dann heldenhaft den Cache. Yeah!

Viel gab es danach nicht mehr für uns zu tun. Einkaufen, Pool, Abendessen (Tortellini in Salbeibutter. Es gab keinen frischen Salbei, aber getrockneter Salbei ging erstaunlich gut).

Nimue und Täschi in Lavafelsen vor dem Meer

Offday in der Butze, Kampftag mit der Katze

Nael hatte nun ganz offiziell seinen Sonnenstich weg. Ungefähr eine Minute nach dem Aufstehen war er wieder weggepennt und schlief dann den gesamten Vormittag erst einmal den Schlaf der Gerechten. Nimue nutzte gekonnt die Gelegenheit und schaute gottlos lange die Sendung mit der Maus. Mittlerweile kennt sie dann alle unserer runtergeladenen Episoden auswendig, aber das scheint sie ja immer nicht zu stören. Einen Zaunkönig könnte sie nun wohl aus 300 m Entfernung erkennen und ein Referat über die Produktion von Schokoküssen halten. Aber gut, immerhin ist es gutbürgerliches Bildungsfernsehen, das sie schaut. Wäre jetzt schlimmer, wenn es Paw Patrol wäre.

Als irgendwann mein Kreislauf mit genug Kaffee gepimpt war, bin ich mit ihr in den Pool gezogen. Nach ausgedehnter Badesession war Nael immer noch völlig fertig mit der Welt. Daher hingen wir weiter planlos an der Ferienunterkunft herum. Das gab mir zumindest Gelegenheit, weitere Maßnahmen gegen die Katze zu ergreifen. Welche Katze? DIE Katze. Diese scheiß nervige Katze. Wir haben hier an der Hütte eine Katze. Sie ist schwarz. Das ist alles Positive/Neutrale das es über dieses Mistvieh zu berichten gibt. Am Anfang dachten wir noch blauäugig “Ach wie süß, eine Katze”. Aber es ist die Ausgeburt der Nervigkeit. Sie ist erstmal konstant da und streicht um die Beine. Und konstant ist hier kein Stilmittel der Übertreibung. Sind wir da, ist die Katze da. Sind wir im Haus, belagert uns die Katze auf der Terrasse. Bliebe es dabei, fair enough. Öffnet man die Tür nur einen Spalt, rennt die Katze rein und versucht etwas Essbares aufzutreiben. Wenn man sie rausjagen will verkriecht sie sich hinter der Küchenzeile. Wenn sie durch das um die Beine streichen nichts zu essen bekommt, springt sie auf Stühle, auf Schöße oder sogar auf den Tisch und versucht Essen zu klauen. Das ist ein Abendessen mal ganz witzig, aber zwei Wochen lang ist richtig nervig.

Weil sie auch nicht aufhört. Zwei Wochen lang geben wir uns das jetzt schon. Ich eskaliere zunehmend unsere Gastfeindschaft, aber das Vieh ist vollkommen merkbefreit. Nachdem das übliche Anmeckern, laut klatschen oder rufen so gar keinen Effekt hatte, habe ich sie irgendwann mit Wasser überschüttet. Sie rennt dann 5 Sekunden weg und probiert es erneut. Ich habe Eiswasser benutzt, extra für das Verjagen kühl gestellt. The cat came back, aber nicht erst the very next day sondern the very next second. Ich habe vom Pool eine Wasserpistole mitgehen lassen und schieße auf sie. The cat came back. Ich habe angefangen Steine neben die Katze zu werfen. Ich habe Steine gegen die Katze geworfen. Ich habe die Katze von der Terrasse geworfen. Ich habe sie über die Terrassenbrüstung geworfen. Ich habe sie in einen Dornenstrauch vor der Terrasse geworfen. Ich habe sie mit einem Stock gepikt. THE FUCK-ING CAT CAME BACK. Ich bin auf nichts davon stolz, ich will ihr nicht wehtun. Ich will nicht, dass die Kinder das sehen. Aber ey, man kann nicht den Kaffee auf der Terrasse trinken, das Frühstück, Mittag- oder Abendessen essen, nicht abends gemütlich Weinchen auf der Terrasse trinken, ohne, dass diese Katze versucht uns oder den Kindern was aus der Hand zu essen, oder am Trinken zu trinken. Oder, wenn ich das hier schreibe, über die Tastatur zu laufen. Man kann unten nicht lüften, ohne dass die Katze in die Wohnung geht. Keinen Rucksack nach einer Wanderung 5 Minuten auf der Terrasse stehen lassen, wenn da vielleicht noch Kekse drin sind. Wenn die Katze in die Wohnung kommt, dann ist sie in 2 Sekunden auf der Ablage am Essen von gestern, das man vielleicht noch essen wollte, oder versucht den Mülleimer umzuwerfen.

Als die Katze einmal in der Wohnung war, ist sie vor mir auf den Balkon geflüchtet. Ich habe beide Türen zugemacht. Irgendwann hat die Katze gelevelt und konnte plötzlich doch vom Balkon springen. Ich habe den großen Mülleimer mit Deckel nach draußen geholt und da die Katze reingesteckt, damit wir mal ein Abendessen in Frieden essen können. Fehlanzeige: trotzdem ich meine Wanderschuhe und eine volle Wasserflasche auf den Deckel gestellt habe, kam sie irgendwann raus. So etwa 30 Sekunden war sie nicht zu sehen, dann versuchte sie wieder auf Nimues Schoß an Essen zu kommen. Wir haben halt auch einfach gar keine Stühle und keinen Tisch in der Wohnung, um da zu essen. Die Terrasse ist unser Wohnzimmer und irgendwie teilen wir uns das mit dieser bekackten Katze. Der Vermieter sagt, sie sei irgendwann nach Weihnachten aufgetaucht. Ich sagte, sie nervt. Er sagte “Bof, donc, bref, frommage” oder was Franzosen halt so sagen. Er hatte auch kein Rezept, aber schien nun auch keine Anstalten zu machen den Kammerjäger oder das lokale Tierheim mit dem Problem zu beauftragen.

Heute Abend hatte ich den ersten “Erfolg”. Die Katze landete wieder im Mülleimer, diesmal drehte ich ihn um. So konnte die Katze nicht raus, wir konnten das erste friedliche Abendessen im Urlaub einnehmen (zumindest hier an der Ferienwohnung). Also friedlich, bis auf das klägliche Miauen aus dem Mülleimer. Man muss der Katze immerhin zugutehalten, dass sie nicht aggressiv wird, sie lässt sich herumschleppen und -werfen. Sie kommt halt immer wieder. Ich bin echt schon am Überlegen, ob ich die Katze, jetzt, wo ich ein geeignetes Transportgefäß habe, einfach irgendwohin fahre und sie da rauslasse. In der Hoffnung, dass sie nicht wieder kommt. Jetzt, da ich diese Zeilen auf dem Balkon tippe, schaue ich nach unten, und - guess what? - die Katze sitzt auf der Terrasse vor der Wohnungstür in ihrer Belagerungsstellung. Auf dass jemand unachtsam die Tür 300 ms auflässt.

Anyway, wo war ich? Ach ja, wir chillten an der Wohnung herum, Nael chillte am härtesten, aber es fehlte an weiteren geeigneten Chillplätzen. War bislang noch nicht aufgefallen, weil wir nicht chillten, aber eine Hängematte, das wär’s…und wisst ihr, was das bedeutet? Ab zu Decathlon, yehaww! Da gab es Hängematten in ungeahnter Anzahl (wenn auch die Auswahl begrenzt war). Tatsächlich bestand der halbe Laden aus Aufstellern mit Hängematten. Auch das scheint ein Addon zu sein, das sich so mancher Urlauber hier gönnt. Und es ergibt Sinn, wie wir kurz später an einem weiteren Strand erfahren durften. Die Hängematte wurde dann zu Täschis Zufriedenheit erfolgreich auf dem Balkon montiert und ist nun ein geeigneter Chillplatz. Den Spielplatz vor Decathlon fanden die nun hart angechillten Kids an diesem Tag nicht so geil. Standesgemäß motzte Nimue aber dann die gesamte Rückfahrt, warum wir nicht mehr auf dem Spielplatz seien. Nachdem sie auf dem Spielplatz eigentlich, wie die Katze, ständig nur um uns herumgeschlichen war und nichts mit sich anzufangen wusste. Es folgte auf das Geschrei der Rückfahrt nur noch ein schnelles Abendessen und die Bettverfrachtung der Kinder (und Erwachsenen)

Ein Highlight der Insel mitten in der Urlaubskrise

Ein Foto, das man definitiv immer zu Gesicht bekommt, wenn es um Réunion geht, ist der Wasserfall (bzw. die Wasserfälle) Cascade de Grand Galet. Dementsprechend rechnete ich schon damit, dass der Andrang potentiell riesig sein würde, insbesondere, da es wieder ein Wasserfall ist, bei dem man bequem mit dem Auto zur Aussichtsplattform fahren kann. Also hieß es für uns früh loskommen. Keine leichte Aufgabe. Man sollte meinen, dass es mit den Kindern, die ja schon meist vor 6 Uhr wach sind, einfach ist. Spoiler: ist es nicht. Geschafft hatten wir so etwa um 7:30 loszukommen und waren um 8:30 da. Es war Sonntag. Man fährt zu den Wasserfällen eine kleine Bergstraße entlang des Flusses Langevin. Aus irgendeinem Grund ist dieser Fluss der Spot für das sonntägliche Get Together der Réunionaisen. Was da schon los war. Das gesamte Ufer war bereits vollgeparkt; Kinder, Familien, Hühner, Hunde, ganze Schweine torkelten über die Straße. Die Familien packten ihren gesamten Hausstand für das sonntägliche Picknick aus und schleppten es ans Flussufer. Grills, Pavillons, Campingbänke, -tische, -stühle, Musikanlagen. Wir wunderten uns ein wenig, weil so schön ist der Fluss nu’ nicht. Aber gut, der Schwarzenberg in Harburg war jetzt auch nie schön, aber er ist eben der Ort für das sonntägliche Get Together, den die Community auserkoren hat. Zudem wirkten die Flussufer am Langevin auch zugänglich, das Wasser für Kinder flach. Vielleicht reicht das schon. Und wer möchte seinen Hausstand auch durch einige Kilometer Wald tragen?

Ein bisschen ängstlich ob der Parkplatzsituation am Wasserfall waren wir (oder: mindestens ich) bei der weiteren Fahrt dann schon, wenn es hier unten an anscheinend unspektakulären Plätzen schon so aussah. Aber die Sorge war umsonst. Tatsächlich kamen wir am Parkplatz an und er war leer. Wir stellten also das Auto ab, stiegen aus und froren erstmal. Wir waren so früh, dass das Tal noch im Schatten lag und die 24 Grad ließen uns erstmal frösteln. Täschi verspeiste unser Mittagessen erstmal als Frühstück, weil sie sich ja für’s Frühstücken immer zu fein ist. Ohne Proviant saßen wir also frierend um 8:30 in der Nähe des Wasserfalls. Nachdem alles aufgesattelt war, zogen wir los. Wir wollten natürlich unten an das Becken. Der erstbeste Wanderweg führte uns runter an den Fluss - zack - schöner Wasserfall. Nicht der Wasserfall, aber schöner Wasserfall. Die Wege waren steil und verlangten uns und Nimue im Besonderen einiges ab. Zum Glück waren wir so früh. Erstens kam uns die “Kälte” nun entgegen, zweitens möchte ich mir gar nicht ausmalen, wie die Gegend bei üblichen Tourimengen aussieht. Ich vermute großen Stau auf den engen, steilen Pfaden.

Wir tasteten uns also vorsichtig dem Oberlauf des Flusses entgegen. Langsam und mühsam ging es vorwärts, doch irgendwann endete der Weg leider in einer Sackgasse. Immerhin an einem weiteren schönen Wasserfall. Also noch mal hoch zur Straße. Bei nächster Gelegenheit wieder einbiegen, steile Bergetappe. Schöner Wasserfall, aber Sackgasse. Steilen Berg wieder hoch. Langsam schlich sich die Sonne doch in das Tal, das Thermometer sprang direkt wieder über die 30 Grad Marke. Wir latschten zur Aussichtsplattform. Es war heiß. Nimue wollte mit ihrer Kamera Fotos vom Wasserfall machen, aber verzockte die Bedienung. Das führte natürlich zu einem Anfall. Vor dem Signature Fotomotiv der Insel fochten wir also einen Kampf mit unserem Kind aus. In diesem Zustand und bei dieser Hitze wagten wir keinen erneuten Abstieg. Langsam füllte sich außerdem der Parkplatz und ließ uns erahnen, was hier noch auf uns zukommen würde. Daher schoss ich nur ein paar lieblose Fotos aus der Hüfte, stopfte das abgekämpfte Kind in die Kraxe und wir latschten zum Auto zurück.

Cascade Grand Galet. Mehrere Wasserfälle fallen in ein kristallblaues Becken

Der ursprüngliche Plan war es, zunächst schnell den Cascade Grand Galet abzuhaken und danach entspannt den Cascade Trou Noir abzuchecken. Dieser wurde uns wieder in unserem Kinderwanderführer empfohlen. Leider, so stellte sich heraus, lag er quasi direkt nebenan. Weiter unten am Fluss, wo die Parkplatzsituation ja aufgrund des Großen Picknicks bereits bei der Anreise angespannt war. Wir sparten uns diesen Wasserfall also. Nun war es so gegen 10. Der gesamte Tag lag noch vor uns. Die Sonne brutzelte unerbittlich, die Kinder waren motzig und wir hatten keinen Plan, wie es nun weitergehen sollte. Das beste Rezept für einen gelungenen Urlaubstag. Einige Tage zuvor mussten wir ja unser Bassin Bœuf links liegen lassen, nun war also der Tag gekommen eben jenes aus der Trickschublade zu holen.

Besagtes Bassin mitsamt Wasserfall lag allerdings auf der Nordseite der Insel. Man muss aber sagen, im Gegensatz zu Martinique, kommt man auf Réunion ziemlich schnell herum. Eigentlich kann man, bis auf die verrückten abgelegensten Orte wie den Vulkan oder Cilaos, alles autozugängliche in unter 2 h Fahrt erreichen. Das besondere Feature an diesem Tag war, dass wir so weit im Osten waren, dass wir über die östliche Küstenstraße geleitet wurden. Diesen “abgelegenen” Teil der Insel hatten wir noch nicht zu Gesicht bekommen.

So cruisten wir also frohen Mutes auf besagter Küstenstraße in den “wilden” Teil der Insel. Die Straße wurde enger, die Orte spärlicher und wir wurden mit besonders schönen Aussichten auf Land und Meer belohnt. Als besonderes Highlight wurden wir über die Crême Grand Brûlée geführt. Das ist ein Abschnitt, wo der Vulkan derzeiten am liebsten seine Ejakulation ins Wasser fließen lässt. Man fährt also in immer spärlicher bewachsene Gebiete, bis zu einer großen ausgebrannten Fläche, wo auch immer mal die Küstenstraße erneuert werden muss. Sieht schon gespenstisch aus und sollte ein kleiner Vorgeschmack auf die tatsächliche Hochebene des Vulkans werden.

Irgendwann erreichten wir also unser Bassin Bœuf. Der Himmel war zunehmend wolkig und wir wanderten frohen Mutes los. Zum eigentlichen Bassin hatten wir einen überragenden Ausblick, aber sparten uns den Abstieg aufgrund der allgemeinen immer noch angespannten Stimmung. Am Oberlauf erspähten wir ein schattiges Plätzchen mit kindergeeignetem Einstieg und flachem Wasser. Dort schlugen wir also unser Lager auf, aber es änderte nichts am grundlegenden Gemotze. Niemand wollte ins Wasser, Nael war müde, aber zierte sich ein wenig beim Einschlafen. Nimue langweilte sich und motzte unter anderem über den immer mal wieder einsetzenden Nieselregen. Kekse essen und Steine ins Wasser schmeißen halfen leidlich, irgendwann entdeckte Nimue immerhin das Klettern über die Steine für sich. Schließlich machten wir uns auf den Rückweg, begleitet von kontinuierlichem Gemotze. An der Ferienwohnung folgte wieder eine übereilte Bettverfrachtung.

Das Bassin Bœuf von oben betrachtet

Kriminelle Urlauber

Der nächste Tag begann so, wie der Letzte endete. Leider war uns zunächst eine unruhige Nacht beschert, das Morgenritual war also direkt angespannter aufgrund allgemeiner Aufgekratztheit und Müdigkeit. Ich merkte schon, dass an diesem Tag bei mir nichts zu holen war. Nael eröffnete direkt mit einem unerklärlichen Ausraster, der irgendwie nicht einzufangen war. Irgendwann fasste sich Täschi ein Herz, stopfte ihn gegen seinen Willen in die Trage und zog mit Nimue zum Pool. Ich war ihr unendlich dankbar, Nael schlief auch relativ schnell ein. Kein Wunder, da er ja nachts kaum geschlafen hatte.

Da mein Fitnesslevel zu wünschen übrig ließ, spähten wir eine kurze Wanderung mitsamt Strand aus. Der Piton Grande Anse wollte erklommen werden. Zunächst mussten aber Vorräte aufgefüllt werden, da wir keinerlei Snacks für das Mittagspicknick hatten. Also ab zum Carrefour war die Devise. Einkaufen ist hier immer so eine Sache für sich. Erstens ist alles absurd teuer, aber das ist wohl der Preis, den man zahlt, wenn man sich am Rande der Zivilisation aufhält. Aber die Supermärkte sind meist unendlich riesig, sodass man sich verläuft und v.a. wartet man immer zwei Jahrhunderte an den Kassen. Dafür, dass Réunion mit großer Arbeitslosigkeit zu kämpfen hat, wundert man sich, warum ein Supermarkt mit gefühlten 8.000 m² nur eine Kasse öffnet (von 200 Kassen, die es theoretisch gibt). Um den Prozess zu beschleunigen, wollten wir an die Selbstbedienungskasse. Dort wies man uns darauf hin, dass wir mit unserem Wagen nicht durch eben jene Kasse dürfen. Also mussten wir unseren Mittagssnack umpacken in einen kleinen Einkaufswagen. Ich sollte den großen woanders rausfahren (wir wollten ja unseren Euro wieder haben). Ich fuhr den Einkaufswagen also zur Information, wo es auch einen Ausgang gibt. Dort stand eine vom Personal errichtete Barrikade, bestehend aus einem weiteren Einkaufswagen. Besagtes Personal ließ mich nicht an der Barrikade vorbei, ich solle mich mit meinem leeren Einkaufswagen bitte bei der Kasse anstellen, wo schon 400 andere Menschen mit Einkäufen anstanden. Ja, äh, wie wäre es mit “Nein, danke”?! Ich schlich unverrichteter Dinge mit meinem Einkaufswagen durch den Laden. Ich wägte meine Optionen. Auf den Euro verzichten und den Wagen einfach stehen lassen? Das hätte mir Täschi vermutlich nie verziehen. Ich brauchte also eine Lösung. Eine Zeit lang umkreiste ich einen leeren Einkaufswagen und spielte mit dem Gedanken, meinen Einkaufswagen einfach an diesem loszuwerden. Aber diese Lösung erschien mir nicht besonders ritterlich. Wie ich also so meine Kreise zog, erspähte ich irgendwann, dass die Barrikade an der Information unbewacht war. In bester Ninja Manier wählte ich einen Anfahrtsweg, der mich möglichst unbeobachtet an die Information heranführte. Bei günstiger Gelegenheit räumte ich die Barrikade und bahnte mir so meinen Weg in die Freiheit. In der Zwischenzeit war Täschi auch beinahe an der Selbstbedienungskasse fertig. Schnell düsten wir in unserem Fluchtauto davon. Als Strafe wussten wir aber, dass wir an diesem Tag noch einmal einkaufen mussten. Bei diesen Temperaturen kann man ja leider die regulären Einkäufe nicht den ganzen Tag im Auto liegen lassen.

Wir parkten am Wanderparkplatz am Piton Grande Anse und bestiegen diesen Berg. Mit Nael in der Kraxe und dem gesamten Strandgepäck an Bord war der Aufstieg wieder einmal sehr beschwerlich. Aber der Ausblick auf die Küste in beide Richtungen wieder sehr schön, kann man nicht leugnen. Vom Aussichtspunkt ging es nun zum Strand hinab. Die Strömungen dort am Strand sind so gefährlich, dass man nur in einem angelegten Becken schwimmen darf. Wir schlugen unser Lager auf und hier lernten wir nun, warum Hängematten ein so gefragter Artikel sind: es wäre das Hängemattenparadies gewesen. Natürlich waren wir unvorbereitet und unsere Hängematte hing an der Ferienwohnung. Ich war vom Auf- und Abstieg völlig platt, Täschi schnappte sich die Kinder und wollte baden gehen. Kaum waren sie im Wasser angelangt, kam die Polizei. Der starke Arm des Staates scheuchte alle Badenden aus dem Wasser. Warum? Habe ich nicht so ganz verstanden, lediglich, dass man heute nicht baden dürfe. Großes Kino! Nachdem die Beamten wieder weg waren, gingen alle wieder ins Wasser. So auch Täschi mitsamt Kindern. Erstaunlicherweise endete der Tag nicht im Gefängnis, auch wenn Nimue sich davor fürchtete. In der Zwischenzeit hatte sie außerdem einen Kiosk mit Eis und Maracujasmoothies ausgemacht. Ich stellte mich an. Es dauerte standesgemäß hundert Jahre bis ich dran war. Es gab keine Smoothies mehr. Immerhin Eis konnte ich für die Kinder organisieren. Es folgte das große Mittagschlafen von Nimue, Nael und mir. Täschi konnte ordentlich lesen. Nun ging es zurück, zum Glück mussten wir den Gipfel nicht noch einmal erklimmen, sondern konnten herumgehen, so hielten sich die Höhenmeter in Grenzen.

Ausblick vom Piton Grande Anse über Meer und Felsklippe

Ein weiterer Einkauf stand nun auf dem Programm. Da wir vom Carrefour die Schnauze voll hatten, steuerten wir einen E.Leclerc an. War ein bisschen, aber auch nicht so viel besser. Immerhin hatten sie Nachfüllpatronen für unsere Mückenvertreibungsgelöt, aber natürlich für absolute Mondpreise. Zum Abendessen gab es Baguette und eine exklusive Auswahl von Wurstwaren, Käse und Frischkäse. Es mundete. Wie der nächste Tag zeigen sollte, war nun aber die Midurlaubskrise überwunden.